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Meditation und Depressionen

Meditation verändert das Gehirn
Meditation verändert das Gehirn, hilft Stress zu bewältigen und kann Depressionen vorbeugen

Meditation als Hilfe bei Depressionen

Menschen die an einer Depression bzw. an einer psychischen Erkrankung leiden, werden leider häufig auch vermehrt von negativen Gedanken gequält, welche nicht mehr „kontrolliert“ werden können. Der Betroffene ist seiner Gedankenwelt ausgeliefert, welche oftmals eine Eigendynamik entwickelt, die neben dem häufig beschriebenen Gefühlen von Trauer und Antriebslosigkeit, den Gesamtzustand zusätzlich noch verschlimmern kann. Ein ständiges Grübeln, wie zum Beispiel über die eigene Unzulänglichkeit oder Fehler, die man sich selbst zuschreibt, können das Herausfordernste an der Erkrankung sein. Durch die Meditation bzw. durch das Achtsamkeitstraining kann dem Leidenden ein Weg nahe gebracht werden, welcher hilft, die Gedanken zum Schweigen zu bringen und Ruhe und Frieden einkehren zu lassen.

Tradition und Wissenschaft

Seit etwa 25 Jahren pflegen Buddhisten und Wissenschaftler einen intensiven Austausch über die Bereiche Medizin, Physiologie und Neurologie. Angeregt und gefördert wurde diese Zusammenarbeit vom Dalai Lama und dem Mind & Life Institut. Als Ergebnis wurden meditative Übungen und Techniken, insbesondere das Achtsamkeitstraining, in die Medizin integriert. Große Erfolge bei der Behandlung von Stress, chronischen Krankheiten und Schmerz konnten dabei festgestellt werden. Ein weiteres Thema dieser Ost-West-Annäherung ist die Frage, wie sich Mediation auf die neurologischen und physiologischen Muster auswirkt. Hierfür wurden Anfänger als auch erfahrene Yogis getestet. Die aktuellen Experimente konnten beweisen, dass das Gehirn durch die Mediation eine Veränderung erfährt und förderlich für die Gesundheit sein kann.

Achtsamkeitsmeditation – Eine erforschte Therapieform

Jon Kabat-Zinn, ein Verhaltensforscher, hat sich mit der Achtsamkeitsmeditation befasst und diese eingehend erforscht. Er bietet das Training „Stressbewältigung durch Achtsamkeit“ („Mindfulness-based stress reduction = MBSR“) an. Dieses zählt mittlerweile zu den erfolgreichsten und weit erforschtesten Therapieformen, welches auf der Meditation beruht. Es beinhaltet neben klassischen Meditationsübungen ebenso Übungen zur Steigerung der Achtsamkeit bei unseren alltäglichen Handlungen, wie z. B. während des Zähneputzens und beim Essen. In den letzten 25 Jahren hat sich diese Methode auch außerhalb der USA weit verbreitet und wird zunehmend in der Psychiatrie sowie in der klassischen Medizin eingesetzt. Auch Anti-Stress-Kliniken wurden mittlerweile erschaffen, so dass viele Forschungsergebnisse mit Probanden vorliegen. Der Psychologe Ulrich Ott von dem Institute of Neuroimaging (Universität Gießen) erforschte ebenfalls diese Meditationsart. „Meditation ist angewandte Neurowissenschaft“, so der Experte. Dieser erklärt weiter, dass es darum geht, Menschen im Alltag mehr Möglichkeiten zu geben, die Selbstzufriedenheit zu steigern und die Selbstbestimmung (Kontrolle der Gedanken) zu fördern. Die Mindfulness based cognitive therapy (MBCT) ist insgesamt ein Forschungszweig, welcher sich mit den pathologischen sowie den Auswirkungen von Stress in der westlichen Welt beschäftigt und auseinandersetzt. Eine Therapieform, die bei der Behandlung von Depressionen und Angstzuständen bereits sehr gute Ergebnisse aufzeigte. Die hohe Rückfallquote von etwa 50 % konnte durch die MBCT-Therapie nachweislich gemindert werden. Insbesondere bei chronischen Depressionen konnte diese positive Entwicklung beobachtet werden. Meditationstechniken, wie die Achtsamkeitsmeditation, werden in unserer Gesellschaft mit den westlichen Therapieformen verbunden. Man geht davon aus, dass die Mediation alleine keine Depression heilen kann. Allerdings lehrt sie dem Betroffenen, die Ursachen der Erkrankung zu erkennen und hilft diesem sich nicht mehr gänzlich damit zu identifizieren.

In der Meditation steckt noch weitaus mehr

Veränderungen durch die Meditation geschehen nicht nur im Geiste bzw. beschränken sich nicht nur auf die subjektive Wahrnehmung. Diese Jahrtausende alte Technik verhilft nachweislich dazu, den Blutdruck sowie die Herzfrequenz und den Sauerstoffverbrauch zu senken. Einzeln können sehr erfahrene Meditierende zudem lange Zeit ohne Nahrung und Wasser auskommen – Wie dies geschieht, kann sich die Wissenschaft allerdings bis heute nicht erklären. Folgendes Beispiel aus dem Spiegel berichtet von dem 83-jährigen Yogi Prahlad Jani aus Indien: http://www.spiegel.de/wissenschaft/mensch/70-jahre-ohne-nahrung-aerzte-knoepfen-sich-angeblichen-wunder-yogi-vor-a-691857.html

Meditation verändert das Gehirn

Interessant ist auch die Tatsache, dass die Meditation Auswirkungen auf die Funktion sowie die Struktur des Gehirns hat. Amishi Jha, eine Psychologin an der Universität in Pennsylvania, fand heraus, dass diverse Netzwerke im Gehirn durch die einzelnen Übungen trainiert werden. Erfahrene Yogis können äußere Reize zum Beispiel sehr viel leichter ausblenden als Neulinge. Dies passiert durch die Wiederholung, welche den cingulären Kortex im Stirnlappen der Großrinde trainiert. In der Universität in Gießen konnte anhand von Tests festgestellt werden, dass dieser Bereich im Gehirn bei geübten Meditierenden eine stärkere Aktivierung zeigt, als bei den nicht erfahrenen Teilnehmern. In einer weiteren Studie, aus dem Jahre 2005, untersuchte Sara Lazar, eine Forscherin an der Universität Harvard, 20 Menschen, die regelmäßig meditierten. Lazar stellte fest, dass ihnen die Gehirnrinde bis zu 5 Prozent dicker ist als bei den nichtmeditierenden Testpersonen. Zudem fanden sich deutlich mehr Nervenschaltungen in den Gehirnregionen, welche für die Aufmerksamkeit sowie die Sinneswahrnehmung zuständig sind. Dies beweist, dass das regelmäßige Meditieren die Verschlechterung der kognitiven Fähigkeiten im Alter entgegenwirkt und die Wahrscheinlichkeit, dass die Ausdünnung der Hirnrinde dadurch ebenfalls vermindert wird, ist sehr hoch. So kann das Anwenden von traditionellen Meditationsübungen eine Vorbeugung für Demenz sein. Die Veränderung der Gehirnstruktur führt auch zu einer Vertiefung von Konzentration, Geduld, Empathie und der Gesundheit im Allgemeinen. Andreas Michalsen, Professor für klinische Naturheilkunde an der Charité in Berlin erklärt: „Meditation ist ein psychologisches Herunterfahren des Körpers. Dabei spielt es keine wesentliche Rolle, welche Technik man anwendet und ob ein Mantra verwendet wird oder nicht. Die Meditation funktioniert wie eine Reset-Taste am Computer in Richtung Lebensstilveränderung und Gesundheit.“

Zurück zu mehr Ruhe und Gelassenheit

In unserer leistungsorientierten Gesellschaft, in welcher Männer Angst haben in ihrem Beruf zu versagen oder Frauen die von ihnen erwartete Doppelbelastung durch Job und Familie nicht mehr meistern können, kann es für den einzelnen Menschen wichtig sein, eine eigene Insel der Ruhe zu schaffen. Die Mediation schafft einen Weg in die eigene innere Mitte und die Stürme, welche uns häufig von Außen versuchen aus der Bahn zu werfen, werden dann nicht mehr als so belastend wie zuvor wahr genommen. Gerade in einer Zeit, in welcher die Zivilisationskrankheiten wie Depressionen, Diabetes, Übergewicht, etc. zunehmen sind wir dazu aufgerufen, wieder mit mehr Bewusstheit durch unser Leben zu gehen. So können wir eine Basis schaffen, die uns nicht zu Opfern sondern zu eigenen Schöpfern werden lässt.